Musiklexikon U-Z

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Walzer

 

Walzer ist ein Ende des 18. Jahrhunderts in Süddeutschland und Österreich aufgekommener Tanz im 3/4-Takt, der sich aus ländlich-volkstümlichen Tänzen wie dem Deutschen Tanz, dem Schleifer und dem Ländler entwickelte. Der Walzer ist ein Paartanz, bei dem die Paare sich um sich selbst drehen und dabei einen weiten Kreis um die Tanzfläche beschreiben. Wegen seiner bäuerlichen Herkunft und seiner typischen Bewegungen - am Boden schleifende Füße, enger Körperkontakt der Partner - galt der Walzer zunächst als derb und vulgär und wurde mehrmals verboten. Dennoch verbreitete sich der Tanz sehr schnell und fand bald auch in adeligen und bürgerlichen Kreisen begeisterte Aufnahme.

Ab 1811 wurde der Tanz als Wiener Walzer bezeichnet. In dieser Zeit bestand der Walzer aus zwei mehrfach wiederholten Teilen von je acht Takten Länge (Perioden). Nachdem sich immer mehr Komponisten mit dem Walzer beschäftigten, bildete sich auch eine Konzertform des Walzers mit langsamer Einleitung, fünf aneinandergereihten Walzern (Walzerkette) und einer Coda Schlussstück) heraus. Schöpfer und Meister dieser Form sind Joseph Lanner und Johann Strauß (Vater und Sohn).

Während der Walzer in die Kunstmusik Eingang fand, z. B. bei Frédéric Chopin und Johannes Brahms, entwickelten sich in der Unterhaltungsmusik neue Tanzformen: der langsame Walzer (Boston, English Waltz), der französische und der spanische Walzertyp.

Der Wiener Walzer gehört bis heute zu den beliebtesten Gesellschaftstänzen. Er ist - ebenso wie der langsame Walzer - Teil des internationalen Turniertanzprogramms. Vielen Operetten- und Schlagermelodien liegt der Walzerrhythmus zugrunde.

Wechselnote

Wechselnote nennt man die unmittelbar oberhalb oder unterhalb eines Tons liegende Nebennote, die in einer Melodie oder einem Akkord auf unbetonter Taktzeit angespielt wird und wieder zum Ausgangston zurückführt (z. B. c, Wechselnote d, c, Wechselnote h, c).

X, Y

Xylophon

Xylophon (griech. = Holzklinger) heißt ein Stabspiel mit schmalen Platten aus Holz, das mit Holzschlägeln angeschlagen wird. Die Platten sind in zwei chromatischen Reihen klaviarturmäßig auf einem hölzernen Resonanzkasten angeordnet und liegen auf kleinen Gummistücken auf. Xylophon bzw. xylophonähnliche Instrumente sind seit der Antike bekannt. Auch in afrikanischen, südamerikanischen und asiatischen Kulturen gibt es verschiedene Stabspiele aus Holz mit Resonanzkörpern unter den Stäben (Marimba). In der alpenländischen Volksmusik sowie in der Tanz- und Unterhaltungsmusik werden Xylophone verwendet, deren Platten nicht klaviaturmäßig und parallel zum Spieler angeordnet sind, sondern in vier ineinandergreifenden Reihen auf den Spieler zulaufen. Diese Form des Xylophons wich in der Kunstmusik der klaviaturmäßigen Form, die seit Ende des 19. Jahrhunderts zum Schlaginstrumentarium des Orchesters gehört. Hier tritt das Xylophon in drei Größen auf: als Sopran-Xylophon (Umfang c''-g'''), Tenor-Xylophon (a-d''') und Bass-Xylophon (G-g'). Im Musikunterricht wird das Xylophon häufig genutzt; es gehört zum Orff-Instrumentarium.

Z

Zapfenstreich

Zapfenstreich ist ein militärisches Signal per Fanfare (früher auch Trommelsignal oder Signalhornruf), das die Soldaten zur Rückkehr in die Unterkunft aufforderte; heute nur noch symbolisch verwendet. Ursprünglich bezog sich im 17. Jahrhundert Zapfenstreich ganz konkret auf die Beendigung des Ausschanks in den Soldantenlagern durch Verschließen der Fässer mit einem Schlag auf den Zapfen (Streich = Schlag). Die Kombination verschiedener Zapfenstreichsignale mit anderen Musikstücken (z. B. Gebet, Deutschlandlied) führte seit dem 17. Jahrhundert zu einer größeren musikalischen Form, dem Großen Zapfenstreich. 1838 erstmals aufgeführt, ist er heute Bestandteil des militärischen Zeremoniells. Heute wird auch ein Serenade und Großen Zapfenstreich verbindendes Militärkonzert als Großer Zapfenstreich bezeichnet.

Zarzuela

Zarzuela (span.) ist eine dem Singspiel ähnliche Gattung des spanischen Musiktheaters im 17. und 18. Jahrhunderts, die als Sonderform des höfischen Festspiels entstand und in den Anfängen mythologische und heroische Stoffe bevorzugte. Ihren Namen erhielt die Zarzuela vom Ort der ersten Aufführungen, dem Palacio de Zarzuela, einem Lustschloss König Philipps IV. in der Nähe von Madrid. Charakteristisch sind die zweiaktige Form und der Wechsel von Gesang und gesprochenem Dialog. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebt die Zarzuela eine erneute Blüte, wird in nunmehr dreiaktiger Form und mit Musik der spanischen Folklore bis in die Gegenwart zum populären Unterhaltungstheater, das selbst mit Revuen und Musicals konkurrieren kann.

Zigeunermusik

 

Zigeunermusik ist seit dem 15. Jahrhundert bekannt. In dieser Zeit prägten sich unter den Sinti und Roma Südosteuropas eigene Musizierformen und -Gattungen aus. Obwohl Sinti und Roma in vielen europäischen Ländern lebten, hat sich in der Musik bis ins 20. Jahrhundert die feste Verbindung Zigeunermusik = ungarische Musik im Bewusstsein gehalten. Dies ist vor allem auf die Operetten des 19. Jahrhunderts zurückzuführen, in denen "ungarisches Zigeunermilieu" beliebt war: Hier wurden Tänze wie der Csárdás und Ensembles aus Geige, Klarinette, Bass und Cimbal, die für die Tanz- und Unterhaltungsmusik der Sinti und Roma typisch sind, zum exotischen Hintergrund für rührselige Liebesgeschichten. Auch die zahlreichen ungarischen Tänze und Rhapsodien der Kunstmusik des 19. Jahrhunderts trugen zum Klischee von der Zigeunermusik bei. Die Musik dieses Volkes ist jedoch formal und stilistisch sehr viel breiter. Die spanische Variante basiert auf Elementen orientalischer Folklore, die mit den arabischen Eroberern im 8. Jahrhundert nach Spanien kamen. Hier wird die Gitarre als Begleitinstrument für den Gesang verwendet, Kastagnetten und Tamburin begleiten den Tanz (Flamenco).

Seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Zigeunerjazz populär. Von dem Gitarristen Django Reinhard oder dem Häns'che Weiss Quintett wurden originell und künstlerische anspruchsvolle Stilrichtungen zwischen Jazz und Folklore geschaffen. Ähnlich wie Klezmer, die Musik der osteuropäischen Juden, ist die "Zigeunermusik" ein Beispiel für den produktiven Umgang von Musikern einer ethnischen Minderheit mit ihrer eigenen musikalischen Tradition und derjenigen ihrer Umgebung. Die Verschmelzung der verschiedenen Musikkulturen hat sowohl Kunstmusik als auch Tanz- und Unterhaltungsmusik und Jazz bereichert.

Zigeunertonleiter

Zigeunertonleiter nennt man eine Molltonleiter, die zwei übermäßige Sekundschritte enthält. Sie wird in der Volksmusik der südosteuropäischen Länder verwendet. Im 19. Jahrhundert wurde besonders die Musik der in Ungarn lebenden Sinti und Roma mit dieser Tonleiter in Verbindung gebracht; seitdem hat sich der Begriff Zigeunermoll durchgesetzt.

Zimbeln

Zimbeln sind im antiken und vorderasiatischen Kulturraum viel benutzte Schlaginstrumente. Sie bestehen aus kleinen, dünnen, runden Metallscheiben (5-10 cm Durchmesser), meistens mit kleiner halbkugeliger Wölbung, an Lederschlaufen hängend oder in Klaviatur-Anordnung aufgebaut. Als Orchesterinstrument wurden sie von Hector Berlioz wiederentdeckt und mit der Bezeichnung Cymbales antiques (antike Becken) in seinem Werk Romeo und Julia (1839) eingesetzt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts gehört die Klangwirkung der Zimbeln von Claude Debussy, Maurice Ravel, Igor Strawinski bis Carl Orff und Pierre Boulez zum festen Bestand des Percussions-Instrumentariums der neueren Musik. Als Becken gehören Zimbeln zur Grundausstattung des Schlagzeuges im Jazz und in der populären Musik.

Zink

 

Zink (mhdt.: rinke = Hörnchen) heißt eine Gattung von Blasinstrumenten des 16.-18. Jahrhunderts. Die Grundform besteht aus einem konischen (nach unten weiter werdenden) Rohr, das beim krummen Zink leicht gebogen ist. Krummer Zink und Gerader Zink besitzen ein Trompetenmundstück (Kesselmundstück); ihr Klang ist dadurch dem eines Blasinstruments ähnlich, obwohl ihr Rohr in der Regel aus Holz besteht. Den Blechblasinstrumenten seiner Zeit war der Zink spieltechnisch überlegen. Mit Hilfe der Grifflöcher konnten sämtliche Tonstufen gespielt werden, während auf der damaligen Trompete z. B. nur die Naturtonreihe spielbar war. Daher wurde der Zink oft zusammen mit Posaunen oder auch als Instrument für die Turmmusik eingesetzt.

Der Krumme Zink wurde in vier Stimmlagen gebaut: Diskant, Alt, Tenor und Bass (Serpent). Der Gerade Zink wurde in Diskant- und Altlage eingesetzt.

Stille Zink, existierte ebenfalls in Diskant- und Altlage. Sein Klang ist aufgrund seines besonders kleinen innenliegenden Mundstücks und der engen Bohrung seines Rohrs sehr leise.

Zitat

 

Zitat (lat.: citare = anführen, sich auf eine Zeugenaussage berufen, erwähnen) ist die wörtliche Übernahme von Elementen und Teilen (z. B. Melodie, Harmoniefolge, charakteristischer Akkord) aus einer fremden oder eigenen Komposition in ein neues Werk. Im Gegensatz zum Zitat in der Literatur kann das musikalische Zitat nicht durch Anführungszeichen oder Quellenangaben so gekennzeichnet werden, dass es beim Hören unmittelbar erkennbar ist. Das musikalische Zitat setzt also eine Bekanntheit des Zitierten voraus, damit der beabsichtigte Effekt eintreten kann. Der Reiz des Zitats beruht auf seiner Anspielung. Es kann, wenn es nicht erkennbar ist, in die Nähe des Plagiats (= Diebstahl geistigen Eigentums) geraten.

Das Zitat kann unterschiedlich eingesetzt werden: Als Mittel der Komik durch das veränderte Umfeld wie beim Tristan-Akkord aus dem Musikdrama Tristan und Isolde (1865) von Richard Wagner, den Claude Debussy in dem Tanzstück Golliwogg's Cake Walk aus dem Klavierzyklus für Kinder Children's Corner (1908) zitiert. Oder als Parodie eines populären Opern-"Schlagers" wie des Gefangenenchors aus der Oper Nabucco (1842) von Giuseppe Verdi in der Fluchtmusik der Tiere bei Wilfried Hiller in der Ballade von Norbert Nackendick (1982). Das Zitat kann auch die Autorität eines bedeutenden Werks oder Komponisten als Beglaubigung aufrufen. Das Zitierte kann auch Selbstzitat sein wie in Don Giovanni (1787) von Wolfgang Amadeus Mozart, der im Schlussakt der Oper als Tafelmusik neben Ausschnitten aus berühmten zeitgenössischen Opern auch eine Melodie aus seiner eigenen Oper Die Hochzeit des Figaro (1786) zitiert.

In der Musik des 20. Jahrhunderts nähert sich der Gebrauch des Zitats häufig der Collage. So ist z. B. der 3. Satz der Sinfonia (1968/69) von Luciano Berio als Zitatcollage komponiert.

Zither

 

Zither (griech.: Kithara; Lyra) ist in der Instrumentenkunde zunächst die Sammelbezeichnung für einfache Chordophone (Saiteninstrumente). Für diese (z. B. Stabzither, Brettzither) ist der Resonanzkörper für die Klangerzeugung nebensächlich.

Die Konzertzither geht auf das mittelalterliche Scheitholz (Schmalzither mit schmalem Resonanzkasten, 1-2 Melodiesaiten und 1-8 Begleitsaiten) zurück und ist ein im alpenländischen Raum vor allem in der Volks- und Laienmusik seit dem 19. Jahrhundert sehr populäres Zupfinstrument. Über das Griffbrett mit 29 Bünden sind 5 Spielsaiten (Normalstimmung a' a' d' g c für das Melodiespiel) gespannt, weitere 33 bis 42 freie Saiten (Begleit- Bass-, Kontrabasssaiten, in Quinten und Quarten gestimmt) laufen über den Resonanzkasten und dienen vorwiegend der Akkordbegleitung.

Die traditionelle Bindung der Zither an die Volksmusik (z. B. Liedbegleitung, Alleinunterhaltung oder Ensemblespiel in der "klassischen" Volksmusik-Besetzung mit Zither, Hackbrett, Gitarre) wurde im 20. Jahrhundert durchbrochen und um Konzertliteratur von der Zwölftonmusik bis zur zeitgenössischen Avantgarde erweitert.

Die amerikanische Variante der Zither heißt Autoharp. Ihre Saiten werden mit Hilfe einer Knopfmechanik angeschlagen, die nicht gespielten Saiten werden jeweils abgedämpft.

Zufallsgenerator

Zufallsgenerator Ein elektronisches Gerät oder ein Computerprogramm heißt Zufallsgenerator, wenn es in der Lage ist, Daten zu erzeugen, die keine Gesetzmäßigkeit erkennen lassen, also möglichst zufällig sind. Das können elektrische Ströme, Schwingungen oder Zufallszahlen sein. Zufallsgeneratoren kommen u. a. in der elektronischen Musik zum Einsatz. Dort werden sie oft von Rauschspannungen (weißes Rauschen) abgeleitet und z. B. zur Erzeugung zufälliger Klangeigenschaften wie unregelmäßigem Vibrato eingesetzt.

Zupfinstrumente

 

Zupfinstrumente sind Saiteninstrumente, also Chordophone, bei denen der Ton durch Anreißen der Saiten mit den Fingern oder dem Plektrum entsteht. Charakteristisch für den gezupften Ton ist sein rasches Verklingen. Zupfinstrumente sind Harfe, Laute, Gitarre, Leier, Zither.

Im Grenzberiech von Zupfen und Schlagen einer Saite bzw. eines anderen elastischen tonerzeugenden Materials zählt man auch Maultrommel und Spieldose zu den Zupfinstrumenten.

Zurna

Zurna (türk./arab.) Als Volksmusik-Instrument im islamischen Kulturraum gebräuchliche Schalmei mit lautem, durchdringendem und charakteristischem, ununterbrochenem Ton. Der Zurna wird häufig in Verbindung mit einer großen (zweifelligen, zylindrischen) Trommel, dem Tupan, zur Tanzmusik gespielt und ist bis nach Europa verbreitet.

Zwiefacher

Zwiefacher ist die Sammelbezeichnung für in Bayern und Österreich beheimatete Volkstänze mit häufigem Wechsel von geradem (2/4-Takt) und ungeradem Takt (3/4-Takt). Der Taktwechsel ergibt sich durch die Kombination von Tanzfiguren aus Tänzen mit verschiedenem Takt.

Zwölftonmusik

 

Zwölftonmusik (auch dodekaphonische Musik) ist Musik, die durch eine neuartige Behandlung der 12 Halbtöne einer Oktave entsteht. Das erste so benannte System stammt wahrscheinlich von Josef Matthias Hauer, der 1908 zwölftönige Kompositionen veröffentlichte. Praktisch gleichzeitig entwickelte Arnold Schönberg sein Zwölftonsystem, das er konsequent z. B. in seinen Fünf Klavierstücken von 1923 anwandte. Über die Frage, wer die erste Zwölftontechnik erfunden hat, ist zwischen den beiden Komponisten ein langwieriger Streit entstanden. Jedenfalls hat in der Folgezeit Schönbergs System den größten Einfluss auf die weitere Entwicklung ausgeübt. Es wurde auch zur Kompositionsmethode seiner bekanntesten Schüler Alban Berg und Anton Webern. Der Kreis um Schönberg wird als Zweite Wiener Schule oder Neue Wiener Schule bezeichnet (die erste bildeten Mozart, Haydn, Beethoven). Grundlegend für Schönbergs Zwölftontechnik ist der Begriff der Reihe. Sie besteht aus allen 12 Halbtönen, die eine Oktave ausmachen. Zu jeder Reihe erhält man durch Anwendung von vier Standardverfahren automatisch neue Reihen. Die Verfahren sind Umkehrung (alle Intervalle werden in ihrer Bewegungsrichtung umgekehrt), Krebs (Reihe von rückwärts) und Krebsumkehrung (alle Intervalle der Krebsreihe werden umgekehrt).

In der strengen Zwölftontechnik gilt da Wiederholungsverbot. Es verbietet die Wiederholung eines Tons der Reihe, bevor alle übrigen 11 erklungen sind. Die Töne der Reihe treten nicht nur als Melodie nacheinander auf, sondern auch gleichzeitig als Harmonien.

Das Verbot wollte tonale Wirkungen vermeiden, die dadurch entstehen, dass ein Ton durch häufiges Auftreten als Grundton ausgezeichnet wird (Atonalität, Harmonielehre).

In den 50er und 60er Jahren wurde die Zwölftontechnik in der seriellen Musik, die sich besonders auf Webern beruft, weitergeführt. Die Reihentechnik dehnte man auf die Tondauern und Tonstärken aus und bezeichnete als Parameter, d. h. frei veränderliche Größen.

Zyklus

 

Zyklus (griech.: kyklos = Kreis) Mehrere in sich abgeschlossene Einzelwerke werden im Zyklus zu einem größeren Ganzen zusammengefasst. Die einzelnen Teile können locker aneinander gereiht sein, wie die Tanzstücke in der barocken Suite. Andererseits kann durch bewusste Verknüpfung (Wiederholung, Vorausdeutung, Leitmotiv, usw.) und Entfaltung eines Grundthemas eine motivisch-thematische Verklammerung der einzelnen Werkteile entstehen. Die im Wortsinn liegende Kreisbewegung muss in einer zyklischen Komposition nicht zwingend umgesetzt sein. Beispiele für einen Zyklus dieser Art allerdings sind Johann Sebastian Bachs Klavierwerk Das Wohltemperierte Klavier (1722/1744) und Frédéric Chopins sich darauf beziehende 24 Préludes (1836-39), deren einzelne Stücke jeweils sämtliche Tonarten durchschreiten, bei Bach in chromatischer Abfolge, bei Chopin in der des Quintenzirkels. Häufig ergibt sich die zyklische Form durch ein von außen hinzukommendes inhaltliches Programm (z. B. Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgsky, 1874). Für die überwiegend als Programmmusik gestaltete sinfonische Dichtung des 19. und 20. Jahrhunderts (z. B. Bedrich Smetana, Mein Vaterland, 1874-79) ist die zyklische Struktur bevorzugte Kompositionsform.

In Anlehnung an die in der lyrischen Dichtung sehr häufig auftretende Form des Zyklus sind auch zahlreiche Kompositionen des deutschsprachigen Kunstlieds im 19. und 20. Jahrhunderts als Liederzyklus gestaltet. Bedeutende Zyklen stammen von Franz Schubert (Die schöne Müllerin, 1823, Die Winterreise, 1827), Robert Schumann (Dichterliebe, 1840), Hugo Wolf (Spanisches und Italienisches Liederbuch, 1891 und 1896) oder Paul Hindemith (Das Marienleben, 1922/23 bzw. 1936-48).